Minimalfortschritt, statt großer Wurf für die Organspende

Das ist ein Minimalfortschritt für die Organspende und bei weitem nicht der erhoffte große Wurf. Es wird allen Menschen, die derzeit oder künftig auf eine Organspende angewiesen sind einfach nicht gerecht.


Der Bundestag lehnt die Widerspruchslösung deutlich ab und will stattdessen, dass alle zehn Jahre noch nicht entschiedene Bürger*innen, an die Entscheidung erinnert werden. Wir ruhen uns darauf aus, dass sich eh schon  moralisch überlastete Bürger*innen um von selbst um ein Thema kümmern, das so abstrakt und in den meisten Fällen weit weg ist, dass es zu keiner Entscheidung, ja noch nicht mal dem Denkprozess darüber kommt. Daran ändert auch die Erinnerung alle zehn Jahre nichts. Und wir ruhen uns auf Organspender*innen aus unseren Nachbarländern aus, denn derzeit bekommt Deutschland aus dem EU-Ausland Organe, weil unsere Spendezahlen viel zu niedrig sind. Das liegt nicht nur an den wenigen Spender*innen, aber auch.

Das fatale ist ja nicht, dass sich Menschen gegen die Organspende entscheiden. Das fatale ist, dass wir es zulassen, das Menschen sich nicht mit diesem Thema beschäftigen.

Ein Onlineregister ist ein guter Schritt, die Entscheidung einer Person in der meist eh schon chaotischen und für alle Beteiligten beanspruchenden Situation rund um eine mögliche Organentnahme nachvollziehen zu können. Aber es reicht nicht.

Es geht um Ethik und das ist immer schwierig. Daher respektiere ich natürlich die Entscheidung von jeder*jedem Abgeordnete*n. Dennoch hätte ich gedacht, dass wir in der Diskussion weiter sind.

In vielen anderen europäischen Länder funktioniert die Widerspruchslösung, warum sollte sie bei uns nicht auch funktionieren? Die Widerspruchslösung zwingt wirklich niemanden Organspender*in zu werden, sie zwingt lediglich diejenigen, die es nicht wollen dazu, einen zweizeiligen Brief oder mit dem Onlineregister drei Klicks zu tätigen. Etwas, was sie aktuell auch machen müssten, damit sie sicher gehen können, dass Angehörige nicht anders entscheiden.

Das Paradoxe: die Bereitschaft zur Organspende ist in unserer Gesellschaft deutlich größer, als die Zahl der Spender*innen mit entsprechendem Ausweis. Warum nutzen wir dieses Potential nicht und lassen es sich stattdessen in dem bürokratischen und scheinbar zu komplizierten Verfahren nahezu komplett erschöpfen?

Wir als Grüne Jugend in Schleswig-Holstein haben unseren Landesverband der Grünen zur Widerspruchslösung gebracht und werden weiter für dafür streiten, dass wir dieses System irgendwann auch in Deutschland bekommen.

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